Donnerstag, 24. Mai 2018

Noch ein Tag in der internetfreien Zone

23. Mai 2018
Kratzeburg - Krakow am See 88,5 km

Heute früh bekam ich ein ordentliches Bio-Radlerfrühstück serviert. Dazu habe ich gleich mal ordentlich Wasser aufgefüllt, denn gestern waren meine Flaschen schon vor dem Ziel leer und ich war immer noch durstig.
Heute war mein Ziel Krakow am See, weniger als 100 km entfernt, also habe ich es ruhiger angehen lassen.
Auf einem häufig anzutreffenden Wirtschaftsweg hatte ich mehrfach Gelegenheit, die Fahrweise einheimischer Autofahrer zu studieren. Oberste Prämisse ist, bei entgegenkommenden Radfahrern niemals vom Gas zu gehen. Wünschenswert ist dabei ein gelangweiltes Gesicht, optional unterstrichen durch einen herraushängenden Arm. Mit einer kleinen Lenkbewegung weicht man dann auf den unbefestigten Rand aus und wirbelt ordentlich Staub auf.
Andere Fahrradfahrer kennen das auch. Wie zum Beispiel Frank, den ich unterwegs getroffen habe. Er sprach fast dialektfrei und kam aus Siegen, ich habe ihn dann doch als geborenen Sachsen enttarnt.
Nach einer Weile habe ich ihn ziehen lassen, sein Tempo war einfach zu hoch. Kein Wunder, der Jungspunt war ja erst 62.
Ein junges Paar aus Baden-Würtemberg habe ich seit gestern Vormittag fünfmal getroffen, wir zählen jetzt schon immer mit.

Heute hat sich fortgesetzt, was mich gestern schon geärgert hat. Es gibt Wegstrecken in Mecklenburg, die gut, manchmal sehr gut sind, die dann aber durch lange miserable Routen unterbrochen werden. Heute musste ich mich sieben Kilometer durch einen völlig zerstörten Waldweg quälen. Tiefe Spuren, Schlaglöcher, grober Schotter und Wurzel, das volle Programm - ein offizieller internationaler Fernradweg darf nicht so aussehen. Dabei hat Mecklenburg soviel zu bieten. In und um Waren an der Müritz war auch alles in Ordnung und die Stadt war voller Touristen. Irgendwie riecht es hier überall nach Ostseeurlaub.



In Krakow sieht es schon wieder anders aus. Die Touristeninformation ist Mittwoch und Sonntag geschlossen, Sonnabend nur bis 12 Uhr göffnet. Nicht mal ein Zettel mit Herbergen hängt an der Tür. Auf Werbeschilder an Straßenecken kann man auch nichts geben, wenn man dem Hinweis folgt, steht man vor verschlossener Tür.
Ich bin dann mit einem noch älteren Herrn ins Gespräch gekommen und der hat mir eine Ferienwohnung in zentraler Lage angeboten - aber eben ohne Internet.
Leider muss ich sagen, dass ich das Gefühl habe, hier nicht richtig willkommen zu sein.
Vielleicht ist es auch Resignation, denn diese wunderschöne Landschaft ist eben für viele nur Transitregion.

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