Freitag, 25. Mai 2018

Mit der Fähre nach Gedser

Schwaan - STUBBEkøbing. 98,2 km

Die Übernachtung im Bett&Bike habe ich überstanden. Glücklicherweise habe ich mein Baumwoll-Schlafsack dabei. Im Zimmer neben mir hörte ich einen ausgeprägten Raucherhusten, der mich durch die Nacht begleitete. Außerdem gab es ein Rollo, was halb runtergezogen war und sich nicht bewegen ließ, eine kaputte Leuchtstofflampe im Waschraum und eine völlig verranzte Zimmereinrichtung. Ich bin da nicht empfindlich, aber in der Summe war das schon sehr mies.
Morgens nahm ich noch ein Frühstück beim Bäcker zu mir. Ich glaubte, dass ich gut in der Zeit liege, denn bis Rostock sind es ja nur 15 km. Da hatte ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Der empfohlene Radweg machte alle möglichen Umwege, so dass ich erst kurz nach 10 Uhr die Südstadt erreichte. Oh Schreck, der nächste Wegweiser zum Fährterminal zeigte 11 km an. Eine halbe Stunde vor Abfahrt sollte man am Terminal sein, in meinem Fall 10.30 Uhr. Mit Vollgas fuhr ich durch die Innenstadt und weiter Richtung Fähre. Bei praller Sonne konnte ich die Route auf dem Smartphone nicht mehr erkennen, Wegweiser fehlten und das Ungemach nahm seinen Lauf - ich fuhr am richtigen Abzweig vorbei. Ein freundlicher Pförtner bei einer Spedition half mir auf die Sprünge, inzwischen war es 10.45.
10.55 stand ich ohne Hoffnung am Schalter. Ein ältere Herr im Hintergrund gab mir eine Chance. Er kündigte mich auf der Fähre an. Die letzten paar hundert Meter auf der leeren Zufahrt musste ich noch mal alles geben. Ein Dispatcherauto kam mir entgegen. Mit eindeutigen Handbewegungen forderte er mich zum Spurt auf. Direkt vor mir ging noch mal die Schranke hoch, ein Einweiser winkte mich herein, die Luke ging zu und ab ging die Fahrt. Auf den Treppen zu den Decks versagten mir fast die Beine ...
Noch ein Blick auf die Mole von Warnemünde,



und dann ließ ich mich mit einer Wasserflasche in einen Sessel sinken. In Gedser war es deutlich kühler als in Rostock und der Gegenwind war heftig. In Nykøbing habe ich kurz überlegt, ob ich mir ein Quartier suche, aber es war noch viel zu früh. Bei der Grübelei habe ich ganz vergessen, mir Bargeld zu beschaffen. Mir war nicht ganz wohl dabei, denn wenn ich unterwegs ein B&B entdecken würde, ginge das nur mit Cash. Deshalb habe ich sofort angehalten, als ich einen kleinen Supermarkt in einem Örtchen entdeckte. Meine Frage, ob ich denn bei ihr Geld bekommen könnte, beantwortete sie mit "of course". Leider ist mir auf der ganzen weiteren Strecke keine Gelegenheit gegeben worden, es auszugeben. Ab Nykøbing ging es von der Westseite von Falster quer rüber auf die Ostseite, immer mit starkem Gegenwind und ordentlichen Hügeln.. Ich war richtig froh, wenn ich mich mal verfahren hatte, dann hatte ich beim Umkehren Rückenwind.
Auf der Ostseite fuhr ich sehr häufig direkt am Meer nach Norden. Zu meiner Überraschung blies dort nur ein laues Lüftchen. Das war mein Glück, denn sonst hätte ich mein Ziel STUBBEköbing wohl erst sehr spät erreicht, aber so war ich um 18.30 am Ziel und habe auf einem sehr schönen Campingplatz mein Zelt aufgebaut.
Eigentlich wollte ich ja eine Hütte nehmen, aber der Platzchef im Seniorenalter (schon wieder ein älterer Herr) zeigte mir die Wiese für die Zelte. Ich habe ihn nicht darauf hingewiesen und mir gedacht, dass das eigentlich die bessere Idee ist. Wozu soll ich sonst den ganzen Campingkram mit nach Kopenhagen schleppen? Außerdem schlafe ich im Zelt immer sehr gut. Fünf Minuten später, mein Zelt stand schon, kam er noch mal und und hat sich entschuldigt, dass er meinen ursprünglichen Wunsch vergessen hatte. Es kostete einige Mühe, ihm zu erklären, dass ich völlig zufrieden war. Wlan gibts hier of course auch.
Morgen fahre ich schon wieder mit der Fähre, die fährt aber stündlich und setzt nur nach Bogø über - da warten Berge und Kreidefelsen auf mich.





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