Dienstag, 29. Mai 2018

Stadtbesichtigung

Kopenhagen 10(?) km zu Fuß

Nach all der Radelei war heute Stadtbesichtigung angesagt. Bei Sonnenschein und 26° macht das natürlich Spaß.
Obwohl wir noch Frühjahr haben, sind sehr viele Touristen unterwegs. Das merkt man sehr deutlich am Nyhaven, wo sich die Restaurants aneinander reihen und die Boote zur Kanalrundfahrt ablegen.



Weiter ging's zur Amalienborg, wo gerade Königskarosse Nr.8 heraus fuhr, wahrscheinlich musste ein Prinzesschen in den Kindergarten gebracht werden.
Der Hof muss offensichtlich sparen, denn die meisten der zahlreichen Wachhäuschen waren unbesetzt





Kurz danach wartete schon die kleine Meerjungfrau, der genialste Marketingtrick der dänischen Touristikbranche. Eine Busladung nach der anderen wurde abgeworfen. Man eilte mit gezückter Selfiestange zum Ufer, um ein Selbstportrait mit Jungfrau im Hintergrund zurück nach Asien oder Amerika zu bringen.



Wer das Fräulein aus der Nähe sehen will, wird bestimmt leicht im Internet fündig.

Weiter führte der Weg zur Freistadt Christiania, wo an zahlreichen Ständen erlesene braune Brocken aus Indien, Pakistan und anderen Gegenden angeboten wurden. Das habe ich lieber nicht fotografiert.





Der Aufstieg zur Spitze der Erlöserkirche war beschwerlich, aber da man spiralförmig auf dem Dach bis zur Spitze kommt, hat man eine grandiose Sicht nach allen Seiten.





Natürlich musste ich auch die berühmte Fahrradautobahn besichtigen.



Und eine kleine Imbissmeile habe ich auch entdeckt, bei der an allen Ständen der Hinweis stand, dass k e i n Bargeld angenommen wird - also nur mit Karte bezahlt werden kann.



Kopenhagen ist unbedingt eine Reise wert, auch wenn es natürlich nicht mehr die gemütliche, entspannte Stadt ist, die mir Anfang der 90er Jahre so gefallen hat.
Sie ist hektischer und internationaler geworden. Aber die vielen alten Bauwerke sind noch da, die irgendwie mit ihrem verschwenderischen Protz an einen Antiquitätenladen erinnern.

Damit ist wieder mal eine Radreise zu Ende. Es war spannend, die kleinsten mecklenburgischen Dörfer und die Großstadt so kurz nacheinander zu erleben.
Gesamturteil: sehr empfehlenswert.

Damit ist erst mal Schluß bis zum nächsten Mal - vielleicht Amsterdam.

Montag, 28. Mai 2018

Die letzten Meter

Køge - Kopenhagen 59,7 km

Bisher war nur feinstes Radelwetter, bis auf den Wind, aber der weht hier eben.
Anderen ging es nicht so gut, wie ich unterwegs an einer Leitplanke gelesen habe.



Fünf Regentage von sechs Fahrtagen, es hätte kaum schlechter sein können.
Aber nun hat mich der Regen auch noch erwischt. Heute früh war es bedeckt und trocken. Doch als ich um 8 Uhr losfahren wollte, ging ein Wolkenbruch runter und ein ordentliches Gewitter folgte. Holger (einer der beiden älteren Herren) kam gleich in meine Hütte, um mir zu sagen, dass ich bleiben kann, bis der Regen aufhört. Ich solle mir keine Sorgen machen, es kostet auch nichts extra. Das fand ich sehr nett, aber als es gegen zehn Uhr etwas heller am Horizont wurde, beschloss ich loszufahren.
Ich wollte die Zeit nutzen und beim Bäcker frühstücken. Der Weg dahin war aber sehr lang und als der Regen wieder voll loslegte, musste ich mich im Buswartehäuschen unterstellen. Dort hatte ich ein nettes Gespräch mit einer älteren D a m e, die genauso alt ist wie ich. Nach einer Stärkung ging es trotz einzelner Schauer los. Der Wegweiser auf dem Fahrradweg zeigte nur 40 km bis Kopenhagen, also was soll's, ist ja nur Wasser!
Die Strecke war nicht besonders aufregend, immerhin habe ich gesehen, wo unsere zukünftigen Weihnachtsbäume wachsen.



Das Wetter besserte sich, ich verfuhr mich mehrmals und um 15 Uhr war ich am Ziel.
Das es deutlich mehr Kilometer geworden sind, hängt vermutlich damit zusammen, dass sich oft mehrere Fahrradrouten ein Wegstück teilen und Berlin-Kopenhagen besonders viel durch die Landschaft meandert.
Je weiter ich in die Innenstadt kam, umso konzentrierter musste ich fahren. Die Fahrradwege sind sehr breit sind, es sind aber viel mehr Fahrradfahrer unterwegs als bei uns. Ich fuhr gleich in einen Stau, weil ein Lastenrad nicht an einer sehr langsamen Fahrerin vorbei kam. Man lernt schnell die wichtigsten Lektionen:
Immer rechts fahren, besonders wenn es knattert, denn Mopedfahrer fahren auch mit.
Wenn man ausscheren will, muss der Arm gehoben werden.
An Ampeln immer schön in der Reihenfolge bleiben.
In dem Berufsverkehr waren auch sehr viele Autos unterwegs. Mir kam es vor wie in Potsdam mit zusätzlich viel mehr Fahrradfahren. Gegen Abend sind die Straßen leer und die Fahrradwege immer noch voll.

Morgen gibts noch ein paar Sehenswürdigkeiten und dann ist der Drops gelutscht.

Sonntag, 27. Mai 2018

Fast schon in Kopenhagen

Stege - Køge 110 km

Heute morgen habe ich wieder beim Bäcker gefrühstückt. Da ich in der Nähe des Tresens saß, konnte ich interessante Studien betreiben. Der Andrang war recht groß und alle standen schön in der Schlange, wie wir das auch kennen. Wollte jemand den Laden durch den Eingang verlassen, wurde er energisch darauf hingewiesen, dass er den drei Meter entfernten Ausgang zu benutzen habe.
Fast alle bezahlten mit Kreditkarte. Das ist hier sowieso die Standardmethode der Bezahlung. Bei kleineren Beträgen braucht man überall nur die Karte kurz ans Lesegerät halten und die Bezahlung erfolgt dann ohne weiter Eingabe. Bei uns geht das auch manchmal, aber weder alle Karten noch alle Lesegeräte sind dafür geeignet.

Ich muss jetzt zusehen, dass ich das Bargeld bald wieder loswerde, denn in Kopenhagen braucht man sicher keins.
Man kann jetzt natürlich Für und Wider abwägen:
Was passiert, wenn Strom oder Internet längere Zeit ausfallen?
Was passiert mit den "nebenbei" erhobenen Daten ( Einkaufsverhalten, Bewegungsprofile ...)
Das gehört nicht mehr in einen Reisebericht und ist aber trotzdem sehr wichtig.

Heute war es ziemlich frisch und Regen war auch angesagt (kam aber nicht). Der Wind hatte auch nicht gedreht, also ging die Strampelei wieder los - wenigstens waren die Berge nicht mehr so zahlreich und steil.
Zum ersten Mal habe ich heute gesehen, dass eine komplette Landstraße mit farbigem Radstreifen markiert war. Das war aber auch eine einmalige Ausnahme. Ich muss aber sagen, dass das subjektive Sicherheitsgefühl deutlich besser ist. Es wäre schon viel getan, wenn sowas auf innerstädtischen Hauptverkehrsstraßen eingeführt würde.



Und an Faxe bin ich heute vorbei gekommen. Außer wegen seines interessanten Namens hat der Ort auch unter den Freunden des Gerstensaftes eine gewisse Bekanntheit, weil sich in Faxe eine Brauerei befindet. Ich fuhr aber nur durch Faxe Ladeplats, Fax liegt weiter landeinwärts.



Etwas später drehte der Fahrradweg auf nordwestliche Richtung und es gab häufig Kantenwind von schräg hinten, manchmal sogar richtigen Rückenwind. In meiner Euphorie habe ich dann gleich einen Abzweig verpasst und musste mit Gegenwind zurück.

An der Küste kam ich dann noch an ehemaligen Kalksteinfelsen vorbei. Kein Motiv für Caspar David, alles schon verarbeitet!



Die letzten 10 bis 15 km waren dann wie eine Belohnung für die vorherige Plackerei. Der Himmel ging auf, es wurde deutlich wärmer und der Radweg führte an der Küste entlang, d.h. fast, denn weite Teile waren eingezäunt und offensichtlich privat. Auf der anderen Straßenseite standen dann die Villen. Neben vielen schönen auch sehr protzige der Neureichen mit künstlichem Wasserfall, Betonlöwen oder - elefanten.
Auch Privatstege gibt es, die Möven interessiert das nicht.



Nach etwas Sucherei und mit Hilfe von Einheimischen habe ich in Køge auch noch ein schönes Bett (ohne Breakfast) gefunden.



Morgen geht's die letzten Kilometer nach Kopenhagen. Von Køge aus könnte ich auch mit der S-Bahn fahren, aber ich werd den Teufel tun!

Samstag, 26. Mai 2018

Der große Bruder des Rüganer Kreidefelsens


Stubbekøbing - Stege 80,5 km

Im Zelt habe ich heute Nacht wunderbar geschlafen. Nach dem Frühstück beim örtlichen Bäcker, bei dem ich nebenbei lernte, dass man sich früh mit "Morjn" begrüßt, habe ich routiniert meinen Campingkram verstaut. Dabei bekam ich Besuch vom Chef, der sich nochmal für seine gestrige Vergesslichkeit entschuldigte. Am Kai traf ich zwei Radler aus Stuttgart wieder. Bei einem kurzen Plausch setzten wir nach Bogø über um dann gleich weiter über einen Damm auf die Insel Møn.



Natürlich war der Gegenwind wieder mein Begleiter. Kurz vor Stege gab es einen optionalen Weg. Ich habe mich durch die Tourbeschreibung überreden lassen, das " Highlight" des Radweges zu besuchen - Møns Klint, der Kreidefelsen. Dafür muss man allerdings einen Rundweg mit vielen Steigungen befahren. Am Anfang rief mir ein Streckenposten eines Damenradrennens etwas auf dänisch hinterher, wir hatten ein kurzes Gespräch. Als er erfuhr, wo ich hin will, sagte er: Oh, du fährst in die Berge! Ich hielt das für übertrieben, jetzt weiß ich es besser.
Unbedingt wollte ich vermeiden, zu schieben, aber direkt vor dem Parkplatz musste ich kapitulieren. Die Fahrt bis dahin war einfach zu zermürbend.
Der Zweck der Übung war, aus der Höhe wieder eine Viertelstunde 450 Stufen abwärts zu gehen, um vom Strand aus die Klippen zu sehen. Hier sind sie:



Die Klippen sind sicher etwas höher, als auf Rügen, aber die An- und Abfahrt waren sehr anstrengend und ohne weite Höhepunkte.
Zurück in Stege habe ich mir heute ein Zimmer mit TV im Motel gegönnt, um mir das Championsleague-Finale anzusehen. Beim Durchzappen dann der Schock, auf allen dänischen Kanälen das gleiche Programm - großer Empfang anlässlich des 50ten Geburtstags von Prinz Dingsda.
Aber auch das ZDF ist da und der Abend gesichert ...



Hier noch eine interessante Beobachtung am Rande, sich drehende Blechhunde als Vogelscheuchen, die Vögel stört es nicht.

Freitag, 25. Mai 2018

Mit der Fähre nach Gedser

Schwaan - STUBBEkøbing. 98,2 km

Die Übernachtung im Bett&Bike habe ich überstanden. Glücklicherweise habe ich mein Baumwoll-Schlafsack dabei. Im Zimmer neben mir hörte ich einen ausgeprägten Raucherhusten, der mich durch die Nacht begleitete. Außerdem gab es ein Rollo, was halb runtergezogen war und sich nicht bewegen ließ, eine kaputte Leuchtstofflampe im Waschraum und eine völlig verranzte Zimmereinrichtung. Ich bin da nicht empfindlich, aber in der Summe war das schon sehr mies.
Morgens nahm ich noch ein Frühstück beim Bäcker zu mir. Ich glaubte, dass ich gut in der Zeit liege, denn bis Rostock sind es ja nur 15 km. Da hatte ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Der empfohlene Radweg machte alle möglichen Umwege, so dass ich erst kurz nach 10 Uhr die Südstadt erreichte. Oh Schreck, der nächste Wegweiser zum Fährterminal zeigte 11 km an. Eine halbe Stunde vor Abfahrt sollte man am Terminal sein, in meinem Fall 10.30 Uhr. Mit Vollgas fuhr ich durch die Innenstadt und weiter Richtung Fähre. Bei praller Sonne konnte ich die Route auf dem Smartphone nicht mehr erkennen, Wegweiser fehlten und das Ungemach nahm seinen Lauf - ich fuhr am richtigen Abzweig vorbei. Ein freundlicher Pförtner bei einer Spedition half mir auf die Sprünge, inzwischen war es 10.45.
10.55 stand ich ohne Hoffnung am Schalter. Ein ältere Herr im Hintergrund gab mir eine Chance. Er kündigte mich auf der Fähre an. Die letzten paar hundert Meter auf der leeren Zufahrt musste ich noch mal alles geben. Ein Dispatcherauto kam mir entgegen. Mit eindeutigen Handbewegungen forderte er mich zum Spurt auf. Direkt vor mir ging noch mal die Schranke hoch, ein Einweiser winkte mich herein, die Luke ging zu und ab ging die Fahrt. Auf den Treppen zu den Decks versagten mir fast die Beine ...
Noch ein Blick auf die Mole von Warnemünde,



und dann ließ ich mich mit einer Wasserflasche in einen Sessel sinken. In Gedser war es deutlich kühler als in Rostock und der Gegenwind war heftig. In Nykøbing habe ich kurz überlegt, ob ich mir ein Quartier suche, aber es war noch viel zu früh. Bei der Grübelei habe ich ganz vergessen, mir Bargeld zu beschaffen. Mir war nicht ganz wohl dabei, denn wenn ich unterwegs ein B&B entdecken würde, ginge das nur mit Cash. Deshalb habe ich sofort angehalten, als ich einen kleinen Supermarkt in einem Örtchen entdeckte. Meine Frage, ob ich denn bei ihr Geld bekommen könnte, beantwortete sie mit "of course". Leider ist mir auf der ganzen weiteren Strecke keine Gelegenheit gegeben worden, es auszugeben. Ab Nykøbing ging es von der Westseite von Falster quer rüber auf die Ostseite, immer mit starkem Gegenwind und ordentlichen Hügeln.. Ich war richtig froh, wenn ich mich mal verfahren hatte, dann hatte ich beim Umkehren Rückenwind.
Auf der Ostseite fuhr ich sehr häufig direkt am Meer nach Norden. Zu meiner Überraschung blies dort nur ein laues Lüftchen. Das war mein Glück, denn sonst hätte ich mein Ziel STUBBEköbing wohl erst sehr spät erreicht, aber so war ich um 18.30 am Ziel und habe auf einem sehr schönen Campingplatz mein Zelt aufgebaut.
Eigentlich wollte ich ja eine Hütte nehmen, aber der Platzchef im Seniorenalter (schon wieder ein älterer Herr) zeigte mir die Wiese für die Zelte. Ich habe ihn nicht darauf hingewiesen und mir gedacht, dass das eigentlich die bessere Idee ist. Wozu soll ich sonst den ganzen Campingkram mit nach Kopenhagen schleppen? Außerdem schlafe ich im Zelt immer sehr gut. Fünf Minuten später, mein Zelt stand schon, kam er noch mal und und hat sich entschuldigt, dass er meinen ursprünglichen Wunsch vergessen hatte. Es kostete einige Mühe, ihm zu erklären, dass ich völlig zufrieden war. Wlan gibts hier of course auch.
Morgen fahre ich schon wieder mit der Fähre, die fährt aber stündlich und setzt nur nach Bogø über - da warten Berge und Kreidefelsen auf mich.





Donnerstag, 24. Mai 2018

Gegenwind

24. Mai 2018
Krakow am See - Schwaan 62 km

Nach einem ausführlichen Plausch mit den Wirtsleuten startete ich bei schönstem Sonnenschein. Die Eiszeit hat uns nicht nur Seen sondern auch reichlich Hügel hinterlassen, die machen dem Radler bei böigem Wind das Leben schwer. An einer Wiese sah ich hinter dem Gebüsch zwei Rehe. Der Wind stand günstig und sie bemerkten mich nicht. Vorsichtig pirschte ich mich an. Leider musste ich die Lenkertasche öffnen, um die Kamera herauszuholen. Das hörten sie und wurden unruhig. Mindestens zwei Minuten stand ich still mit meinem Fahrrad da, dann ästen sie wieder. Weil mir Zweige im Weg waren, musste ich nochmal vorsichtig meine Position verändern. Ich war nur etwa 5 Meter entfernt und stellte mir vor, wie ich meine Enkelchen mit einer brillanten Tierfotografie überraschen würde - da entdeckten sie mich und der Traum war aus!
Nachdem ich Güstrow mit seinen imposanten Gebäuden hinter mir gelassen hatte, ging die Fahrt am Bützow-Güstrow-Kanal weiter. Solche Strecken an Flüssen und Kanälen sind immer wieder ein Highlight, zumal ich auch noch Rückenwind hatte.



Die Straße von Bützow nach Schwaan war dann eine ordentliche Quälerei. Starke Steigungen und heftiger, böiger Gegenwind, das war hart!
Dabei hatte ich ein Dejavu, denn vor 54 Jahren setzten mein Freund und ich gegen den Widerstand unserer Eltern durch, dass wir allein mit dem Fahrrad zum Zelten an die Ostsee fahren durften. Das Zelt wurde vorgeschickt und wir fuhren bis Pritzwalk mit der Bahn.
In Krakow am See übernachteten wir in der Jugendherberge. Am zweiten Tag kämpften wir uns bei starkem Gegenwind über die hüglige Landstraße. Dummerweise hatten wir in unserer Naivität nichts zu Trinken eingesteckt und in die weit abseits der Straße liegenden Dörfer wollten wir nicht auf Verdacht fahren. Wir aßen unreife Äpfel von Straßenbäumen und waren heilfroh, als wir in Rostock bei meinen Verwandten ankamen. Die restliche Strecke fuhren wir mit dem Zug ...
Genauso erschöpft habe ich mich heute gefühlt, obwohl ich noch was zu Trinken hatte.
Zum Schluss ist der Tag noch mit einem spontan verabredeten Treffen mit meinem Rostocker Cousin sehr schön ausgegangen.
Morgen geht die Fahrt direkt zum Fährhafen, ich hoffe, der Wind dreht ...

Noch ein Tag in der internetfreien Zone

23. Mai 2018
Kratzeburg - Krakow am See 88,5 km

Heute früh bekam ich ein ordentliches Bio-Radlerfrühstück serviert. Dazu habe ich gleich mal ordentlich Wasser aufgefüllt, denn gestern waren meine Flaschen schon vor dem Ziel leer und ich war immer noch durstig.
Heute war mein Ziel Krakow am See, weniger als 100 km entfernt, also habe ich es ruhiger angehen lassen.
Auf einem häufig anzutreffenden Wirtschaftsweg hatte ich mehrfach Gelegenheit, die Fahrweise einheimischer Autofahrer zu studieren. Oberste Prämisse ist, bei entgegenkommenden Radfahrern niemals vom Gas zu gehen. Wünschenswert ist dabei ein gelangweiltes Gesicht, optional unterstrichen durch einen herraushängenden Arm. Mit einer kleinen Lenkbewegung weicht man dann auf den unbefestigten Rand aus und wirbelt ordentlich Staub auf.
Andere Fahrradfahrer kennen das auch. Wie zum Beispiel Frank, den ich unterwegs getroffen habe. Er sprach fast dialektfrei und kam aus Siegen, ich habe ihn dann doch als geborenen Sachsen enttarnt.
Nach einer Weile habe ich ihn ziehen lassen, sein Tempo war einfach zu hoch. Kein Wunder, der Jungspunt war ja erst 62.
Ein junges Paar aus Baden-Würtemberg habe ich seit gestern Vormittag fünfmal getroffen, wir zählen jetzt schon immer mit.

Heute hat sich fortgesetzt, was mich gestern schon geärgert hat. Es gibt Wegstrecken in Mecklenburg, die gut, manchmal sehr gut sind, die dann aber durch lange miserable Routen unterbrochen werden. Heute musste ich mich sieben Kilometer durch einen völlig zerstörten Waldweg quälen. Tiefe Spuren, Schlaglöcher, grober Schotter und Wurzel, das volle Programm - ein offizieller internationaler Fernradweg darf nicht so aussehen. Dabei hat Mecklenburg soviel zu bieten. In und um Waren an der Müritz war auch alles in Ordnung und die Stadt war voller Touristen. Irgendwie riecht es hier überall nach Ostseeurlaub.



In Krakow sieht es schon wieder anders aus. Die Touristeninformation ist Mittwoch und Sonntag geschlossen, Sonnabend nur bis 12 Uhr göffnet. Nicht mal ein Zettel mit Herbergen hängt an der Tür. Auf Werbeschilder an Straßenecken kann man auch nichts geben, wenn man dem Hinweis folgt, steht man vor verschlossener Tür.
Ich bin dann mit einem noch älteren Herrn ins Gespräch gekommen und der hat mir eine Ferienwohnung in zentraler Lage angeboten - aber eben ohne Internet.
Leider muss ich sagen, dass ich das Gefühl habe, hier nicht richtig willkommen zu sein.
Vielleicht ist es auch Resignation, denn diese wunderschöne Landschaft ist eben für viele nur Transitregion.

Einfach mal die Klappe halten ...

22. Mai 2008
Zehdenick - Kratzeburg 103,6 km

ist nicht nur ein guter Tipp, wenn man keine Ahnung hat, sondern verhindert auch, dass man zu viel lebende Proteine schluckt (das sind die Dinger, die bei den Autos im Sommer immer diese hässlichen roten, grünen und gelben Kleckse auf die Windschutzscheibe machen).
Nach leidvoller Erfahrung habe ich also versucht, möglichst mit geschlossenem Mund durch den wunderbaren Wald zu fahren.



Zunächst führte die Route aber durch den Ziegeleipark Mildenberg. Dort gab es vom 19. Jahrhundert bis 1990 eine riesige Fabrik für Tonziegel. Zwei große Ringöfen und einige Technik zeugen noch davon.
Unter anderem gibt es dort diese kleine Lok, die noch zum Umherfahren der Besucher im Einsatz ist.



Das Typenschild ist interessant:



Weiter gehts durch den Wald nach Himmelfort, wo der Weihnachtsmann schon jetzt auf die Wunschzettel der Kinder wartet.



Wie es sich für eine Seenplatte gehört, gibt es hier viele schöne Gewässer. Völlig allein kann man hier auf einem Steg am Canower See sitzen und eine Pause machen.



Die Strecke im Norden Brandenburgs ist überwiegend in sehr gutem Zustand, es gibt viele asphaltierte Fahrradstraßen, die diesen Namen auch verdienen. Leider bleibt das nicht so, wenn man nach Mecklenburg kommt. Auf Forstwegen, die durch schwere Fahrzeuge beschädigt sind, kommt man nur schlecht vorwärts.
Als ich keine Lust mehr hatte weiterzufahren, hielt ich in den kleinen Nestern nach einer Übernachtungsmöglichkeit Ausschau, leider Fehlanzeige. In Kratzeburg gab es dann eine kleine Meierei. Der Chef gab mir einen Tipp und tatsächlich hatte ich dann ein Bett - aber nicht zu essen. Also hat mir die Wirtin dann einen Stullenteller gemacht - Problem gelöst.

Montag, 21. Mai 2018

Schon wieder ne Bankenkrise!

Babelsberg - Zehdenick 99,3 km

Bei bestem Radelwetter ging's heute früh los Richtung Kopenhagen. Der erste Abschnitt nach Hennigsdorf über Großglienicke war mir zum großen Teil vertraut. Danach konnte jede Menge neureiche Architekturentgleisungen in Staaken bestaunen. Auch auf dem anschließenden Abschnitt des Berliner Mauerwegs gab es nicht einen Rastplatz oder eine B A N K ! Endlich, in Oranienburg nach 65 km, habe ich ein schönes Plätzchen am herrlichen Lehnitzsee gefunden, wo ich meine Mittagspause machen konnte.
Dann wurde es richtig schön. Es ging am Oder-Havel-Kanal entlang und anschließend durch den Wald.

Das Örtchen Liebenwalde hat ein sehr schönes Rathaus.

Und schon folgt der Vosskanal. Ab und zu tuckert ein Schiffchen vorbei, sonst zwitschern die Vögel, der Kuckuck ruft und die Frösche quaken. Der Radweg ist tadellos, selten kommt mal ein Radler vorbei. Dieser Radeltag gehört zweifellos zu den schönsten, die ich bisher erlebt habe.
Und dann bin ich schon am Ziel.
Leider habe ich nicht rechtzeitig auf den Kilometerstand geschaut, mit einer Runde um den Block wäre er dreistellig geworden. Zehdenick ist ein schönes Städtchen, leider hat es die Krankheit aller kleinen Orte in der brandenburgischen Provinz - Leerstand und Verfall neben schön restaurierten Gebäuden. Abends um acht werden die Gehwege hochgeklappt. Bei meinem abendlichen Rundgang habe ich in einer Stunde maximal zehn Menschen gesehen, die meisten waren Touristen.

Immerhin gibt's bald ein Entenrennen.

Es ist schon erstaunlich, was für eine Welt man wenige Kilometer von zu Hause entfernt entdecken kann.
Morgen fahre ich nach Neustrelitz oder etwas weiter ...